Fraenzi

Flugbegleiterin, Autorin. Abgelichtet im Hotel Daniel Wien Hauptbahnhof. Im Trailer und oben am Dach beim von Franz West gestalteten Segelboot.

"Being Fraenzi", Flugbegleiten, Autorin, Teilnehmerin im Schreibkabor "Grundrauschen" von Arad Dabiri

Interview- & Portraitserie für die BURG Theater CommunityDanke an das Hotel Daniel Hauptbahnhof

peta: "Magst du über Deine Texte reden, die im "Grundrauschen"-Labor von Lena Wontorra und Arad Dabiri entstanden sind?

Fraenzi: "Ich glaube, am meisten in Erinnerung geblieben ist mir ein spezieller Text wo ich wieder gemerkt habe, wie auch so zwischendrin in so kleinen Momenten was entstehen kann, wo ich gar nicht die Bedeutung zugemessen habe. Oder wo ich mir selber auch gedacht habe, okay, das ist eigentlich total spannend und woher kam das jetzt? Und auch, wie kann ich das jetzt auch verwerten für einen wirklichen Text? Wie kann ich dann auch von dem, was eigentlich wirklich passiert ist, weggehen? Wie viel will ich übernehmen von meiner Realität? In dem Text, da hatte ich nichts vorbereitet, weil ich dachte, ich bin nicht da, ich bin in München, fliegen. Und dann hatte ich am Tag davor einen Autounfall. Und war dann doch eben krank geschrieben und war dann in Wien. Und da es mir an dem Abend noch ganz gut ging, bin ich dann eben noch zum Workshop gekommen. Und habe auf dem Weg dorthin im Bus in zehn Minuten einfach einen Text in meinen Handy-WhatsApp-Chat mit mir selber rein getippt. Und habe den dann auch vorgelesen in der Runde. Und irgendwie hat der auch Anklang gefunden. Ich glaube, das hat auch viel damit zu tun, wie... wie... wie soll ich das jetzt sagen? Wie klar ich das einfach nur so runter gerattert habe, den Text. Es hat auf jeden Fall eine andere Resonanz bekommen als davor. Ich glaube, was auch besonders war, ist, ich hatte keine Adjektive drin, ich habe es nicht gewertet. Ich habe einfach nur runter geschrieben, knapp, ohne irgendwie ein Wort zweimal umzudrehen. Wenn jemand geht, dann geht die Person und läuft nicht oder sprintet nicht oder... ich weiß es nicht, watschelt. Sondern es ging nicht um die Wortwahl, es ging nicht da drum, irgendwas auszuschmücken, sondern es einfach nur so präzise zu übertragen in mein Handy in der Sekunde, wie es irgendwie geht... Ich glaube, das hat damals auch dadurch was mit mir gemacht, weil es, wie du schon gemeint hast, dass es sehr unmittelbar war."

peta: "Aber es ist nichts passiert, oder?"

Fraenzi: "Nein, ich hatte Prellungen halt, aber ich meine, ich war ja beim Grundrauschen auch am Tag drauf, also so schlimm war es zum Glück nicht. Es ist ja nichts Schlimmes passiert, aber solche Ereignisse sind ja dann doch immer wieder... es ist ja immer wieder so ein Wachruf in dem Sinne von, okay, wo bin ich eigentlich, was mache ich hier eigentlich gerade? Okay, mir ist jetzt nichts passiert, was fange ich jetzt damit an, dass mir nichts passiert ist? Muss ich das jetzt irgendwie nutzen oder was fange ich jetzt mit mir an, danach? Berührt es mich, sollte es mich nicht berühren? Möchte ich mich damit weiter beschäftigen oder möchte ich das einfach wegschieben? So ein bisschen."

peta: "Was macht für dich eine gute Geschichte aus?"

Fraenzi: "Was ich festgestellt habe, ich hasse Vorwegnamen. Ich mag es, wenn ein Spannungsbogen ohne Vorwegnamen gehalten wird. Und abgesehen von dem... Ich glaube, es sind die Personen. Also oft ist es natürlich auch die Geschichte, die im Vordergrund steht, aber auch einfach die Personen, die Protagonistin, der Protagonist. Und wie sie gezeichnet wurden. Also ich mag sehr gerne sehr tiefgehende, tiefschichtige Charaktere. Wenn alles nur oberflächlich berührt wird, dann berührt es auch mich nicht. Und ich mag gerne verrücktere Sprachen, Stile, Sprechweisen oder auch Aufbau von Geschichten oder Büchern. Das Hin- und Herspringen, wo mal was auf dem Kopf steht. Verschiedene Schriftarten genommen werden, wo eine Seite, wenn der Seitenrand irgendwie ganz knallbunt ist, lauter solche kleinen Details. Oder eine Seite, die handschriftlich eingescannt wurde. Das macht bei mir auch ganz viel, unabhängig von der Geschichte, aber irgendwie passt das ja auch in das Gesamtbild von dem, was gesagt werden will. Wie es aufgemacht ist."

peta: "Jetzt kommen einfach Kurzfragen: Dystopie oder Utopie?"

Fraenzi: "Utopie."

peta: "„Never ever would I...“

Fraenzi: "Ich hätte eigentlich gesagt, mit Haien tauchen. Aber das werde ich jetzt im Februar machen. Sag niemals nie."

peta: "Jetzt bitte einfach ein Wort frei assozieren zu: Regen"

Fraenzi: "Geruch von Regen. Wie heißt das? Petrichor. Genau, Petrichor. Das ist mein Wort."

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