ILSA

Früher Redakteurin, jetzt passionierte Lehrerin. Ilsa hat sich gewünscht, dass wir an der alten Donau shooten. Et voilá! Wir sind im Boot übers Wasser geschippert und haben dann was im Hotel Schani getrunken und ein paar Stunden lang geplaudert.

"Seeing Ilsa" Ilsa ist im Lehrer:innenbeirat der BURG Theater Community, ehem. Redakteurin

Portraits & Interviews 2026,aufgenommen an + auf der Alten Donau (Danke an unseren so freundlichen Bootskapitän!)

peta: "Was bedeutet Wasser für dich? Ich habe dich ja gebeten, dass wir uns an einem Ort treffen, den du magst, der deine Persönlichkeit ausdrückt."

Ilsa: "Wasser ist für mich Leben in jeglicher Form. Meine Mutter hat mir erzählt, als ich das erste Mal in meinem Leben am Meer war, da habe ich das Wasser gesehen, bin hingelaufen und habe eine Stunde einen Freudentanz gemacht. Sie hat gesagt, sie hat mich gar nicht mehr weggekriegt. Ich war so dabei, mit den Wellen mitzulaufen, im Sand, mit dem Wasserspritzen. Und dieses Gefühl der Freude habe ich jedes Mal, wenn ich zum Wasser gehe. Da war ich ein bisschen über ein Jahr alt und konnte gerade gehen. Und immer wenn ich mit der U-Bahn über die Donau fahre und auf die Donau schaue ~ die hat ja ganz verschiedene Formen, je nachdem wie der Wind kommt. Wenn er von Osten kommt, dann ist sie immer voll mit Wellen und wenn er von Westen kommt, dann ist sie eher flach, weil dann der Wind mit der Flussrichtung quasi weht. Und auch die verschiedenen Farben. ~ Ich freue mich jedes Mal. Ich bin ja Salzburgerin, ich bin eigentlich in den Bergen geboren. Aber ich fühle mich mit dem Wasser mehr verbunden als mit den Bergen. Obwohl ich die Berge auch gerne mag. Aber Wasser ist für mich, also Meer, ich muss mindestens einmal im Jahr ans Meer. Wenn ich nicht ans Meer fahre, dann fehlt mir was."

peta: "Du bist mit 18 nach Wien gegangen?"

Ilsa: Ja, genau. Alleine.

peta: "Du hast noch in Salzburg eine Ballettausbildung gemacht, das finde ich unglaublich faszinierend. Ballett, in drei Worten, ist für dich?"

Ilsa: "Disziplin, hart, eigentlich nein, härtestes, also härter wie hart, also die höchste Steigerung von hart und wunderschön."

peta: "Wie viele Jahre war die Ausbildung?"

Ilsa: "Ich habe begonnen mit fünf Jahren und ich habe sie gemacht bis 18."

peta: "Wie gewöhnt man dann den Körper an ein Vollzeitstudium?"

Ilsa: "Ich glaube, ich habe das durchs Weggehen kompensiert."

peta: "Was bedeutet Scheitern für dich? Ist es positiv oder negativ konnotiert? Ist das etwas Wichtiges? Also, würde dein Leben ohne Scheitern Sinn machen?"

Ilsa: "Ja, das ist total wichtig. Ich glaube, wir wachsen durch das Scheitern. Ich glaube, wir sind ja so bequem, dass wir ohne Scheitern gar nicht wachsen würden. Und ich glaube, aus jeder Krise kommt man stärker hervor. Das ist so mein persönlicher Zugang. Es kann sicher auch Krisen geben im Leben, wo man sagt, also das packe ich gar nicht. Aber da gibt es ja dann Institutionen, an die man sich wenden kann oder Menschen, die einen da heraushelfen. Aber grundsätzlich finde ich Scheitern total wichtig. Und ich sage auch in meinem Unterricht immer zu meinen Schülerinnen und Schülern, Fehler sind unsere Freunde. Ich finde die Fehlerkultur, die momentan herrscht, katastrophal. Man darf keine Fehler machen, man darf nicht scheitern und wenn man scheitert, muss man das leugnen. Es ist dieses „leugne, leugne, leugne“… alle sind perfekt, alle sind super. Das ist doch eine Lüge.

Ich glaube, das ist überhaupt diese Leistungsgesellschaft, in der wir sind, nicht nur jetzt Managements, sondern auch das Thema Selbstoptimierung. Das ist ja auch ein Wahnsinn. Ich kann mich erinnern, wie ich das erste Mal das Buch „Corpus Delicti“ von Juli Zeh gelesen habe, da habe ich mir gedacht, ja, das ist ja genau das, wo wir schon leben. Das ist ja nicht einmal ein Zukunftsroman. Also natürlich sind viele Dinge zukünftig, aber grundsätzlich diese Selbstoptimierung. Und das weiß ich ja auch vom Ballett. Das ist ja ein Wahnsinn, wozu man seinen Körper bringen kann. Und im Ballett trainiert man sich ja jegliche Grenzen ab, sonst könnte man ja gar nicht tanzen. Ich sage immer, alle, die Leistungssport machen, Ballett ist Leistungssport hoch 10. Diese Selbstoptimierung in total übertriebenem Maße findet auch im Ballett statt. Man kann sich nicht vorstellen, was man da an Schmerzen aushält im Ballett.Mit Zehenspitzen zu tanzen, wo keine Nägel mehr dran sind, weil die Nägel abgegangen sind oder blutig sind. Aber man spürt das nicht, weil man den Körper darauf trainiert, das nicht mehr zu spüren."

peta: "Wenn es ein Theaterstück über dich gäbe, wie würde das heißen?"

Ilsa: "Ich mache immer wieder die Erfahrung, wenn ich Leute besser kennen lerne, dass sie mir dann sagen, „Ich hätte dich ganz anders eingeschätzt“ und „ich habe dich unterschätzt“. Vielleicht könnte man sagen, „Der erste Eindruck täuscht.“ Irgendwie so."

peta: "Dein Lieblingskinderbuch, Lieblingsmärchen?"

Ilsa: "So spontan fällt mir jetzt ein, Ronja Räubertochter. Ich fand die so toll..."

peta: "Ja, Vorbild!"

Ilsa: "Und ich fand dieses Gruselige auch so toll. Mit diesen Graugnomen. Die Graugnomen fand ich cool, weil die waren nur gefährlich, wenn man vor ihnen Angst hatte. Und in dem Moment, wo du keine Angst hast vor ihnen, sind sie nicht gefährlich. Und ich habe mir gedacht, das ist doch ganz stark etwas, was man sich ins Leben mitnehmen kann. Wenn man so auf der Straße ist und man fühlt sich unsicher, strahlt man das sicher aus, also vor allem im Dunkeln."

peta: "Auch bei Vorstellungsgesprächen oder ähnlichem."

Ilsa: "Ja. Wenn man keine Angst zeigt, dann wirkt man gleich viel souveräner."

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peta: "Was sind denn die Kulturkreise und Sprachen, die jetzt gerade in deiner Klasse sind?"

Ilsa: "Ganz viele Kinder aus türkischem Hintergrund und natürlich Balkan und auch Syrien und aus dem afghanischen Raum."

peta: "Das Sonnenviertel ist Zehnter Bezirk."

Ilsa: "Ja, Zehnter, genau. Hauptsächlich Kinder mit türkischen Wurzeln oder auch Balkan-Raum, von Kroatien, Bosnien, Serbien, Kosovo, Albanien, Montenegro, Nordmazedonien. Aus dem Balkanraum sind das oft Kinder zweiter, dritter Generation aus den Kriegsgenerationen vom damaligen Krieg. Und natürlich auch viele syrische Kinder. Von 2015, die damals entweder als Volksschüler oder Kleinkinder nach Österreich gekommen sind. Und auch natürlich Kinder aus Afghanistan und dem Iran."